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Berlin liegt flach: Klassenzimmer leer, Praxen voll!

Die Infektionswelle ist groß wie nie, vor allem bei Kindern

Berlin liegt flach: Klassenzimmer leer, Praxen voll!

Ein leeres Klassenzimmer. Wie hier in der 6b der City-Grundschule sieht es derzeit in vielen Berliner Schulen aus. Fast zwei Drittel der Schüler sind krank. Von 21 sind nur acht anwesend, auf dem Foto sieht man sechs von ihnen

Foto: Olaf Selchow Teilen Twittern Senden Von: Björn Trautwein, INga Grömminger und Mary-Lou Künzel 04.12.2022 — 11:20 Uhr

Berlin – Wer bietet mehr? In Berlins Schulen gibt es derzeit ein großes Thema. „Bei uns sind heute sieben Kinder krank und nur 12 im Unterricht“, sagt ein Junge vor dem Lehrerzimmer in der City-Grundschule in Mitte. „Bei uns sind es neun“, sagt ein anderer, „bei uns ist über die Hälfte krank“, sagt der nächste.

Doch das ist gar nichts gegen die 6b von Klassenlehrerin Martina Paul (62). Nur acht ihrer 21 Schüler und Schülerinnen sind heute in die Klasse gekommen. „Alle anderen sind krank“, sagt die Pädagogin. 13 Kinder, die zu Hause im Bett liegen, statt im Unterricht zu sitzen. „So etwas habe ich in der Form noch nie erlebt“, sagt sie, „an einen normalen Unterricht ist nicht zu denken.“

Berlin liegt flach: Klassenzimmer leer, Praxen voll!

Klassenlehrerin Martina Paul (62) hat so eine Krankheitswelle noch nie erlebt

Foto: Olaf Selchow

Berlin liegt flach: Fieber, Husten, Atemnot und glasige Augen gehen um. Vor allem Kinder sind betroffen. Wie in der 6b. Denn auch die wenigen Kinder, die heute da sind, waren in den letzten Wochen krank zu Hause. Nezhdet (13) hatte zwei Wochen Grippe, Elif hatte Fieber.

Drei verschiedene Erkrankungen treiben die Zahlen nach oben

Die Kinder klagten über Husten, Schnupfen und Fieber. Die Erkrankungen verteilen sich auf das RS-Virus, Influenza und Corona. An der City-Grundschule kamen auch Ansteckungen mit dem Norovirus hinzu. „Und das geht schon eine ganze Weile so“, sagt Martina Paul.

Und das gilt für die ganze Stadt. Ungewöhnlich viele Kinder leiden unter Atemwegserkrankungen, teilweise mit schweren Verläufen. In vielen Berliner Kitas gibt es derzeit nur eine Notbetreuung. Die Krankenhäuser sind voll, die Schulklassen leer und Berlins Kinderärzte stehen kurz vor dem Kollaps.

Berlin liegt flach: Klassenzimmer leer, Praxen voll!

Mona (40) und Celine (3) aus Berlin-Mitte: „Auf Termine muss ich glücklicherweise nicht allzu lang warten. Problematisch finde ich allerdings die Behandlungsweisen der Ärzte. Sie nehmen sich kaum noch fünf Minuten Zeit – womöglich gibt es deshalb schneller freie Termine – und vergeben meiner Meinung nach viel zu schnell starke Medikamente“

Foto: Ralf Günther

Laut Robert Koch-Institut ist die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) in der letzten Woche extrem gestiegen. Hochgerechnet ist fast jeder Zehnte (9,8 Prozent) betroffen, 8,8Millionen Menschen. Besonders stark grassieren die Viren unter den Schulkindern zwischen 5 und 14 Jahren. Hier sind laut RKI 80 Prozent der Kinder mit Influenza-Viren infiziert.

Klinik-Betten werden knapp

Die Fälle sind deutschlandweit so hoch, dass die Kliniken Alarm schlagen. Es gibt zu wenig Betten und vor allem Pflegepersonal. Krankenwagen suchen oft stundenlang nach einem freien Platz. „Von 110 Kinderkliniken hatten zuletzt 43 Einrichtungen kein einziges Bett mehr auf der Normalstation frei“, teilte die Deutsche Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin mit.

Die Verbände der Berliner Kinderärzte und -kliniken schlagen ebenfalls Alarm: „Wir sehen die Gesundheit und auch das Leben unserer Kinder und Jugendlichen massiv bedroht“, schrieben sie laut RBB an die Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne).

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