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Berliner Museumssonntag : Gratis, aber hoffentlich nicht umsonst

Der Berliner Museumssonntag ist ein Erfolg. Doch lockt er auch die gewünschten Zielgruppen an? Zwei Grünen-Politikerin wollen es genau wissen.

Berliner Museumssonntag : Gratis, aber hoffentlich nicht umsonst

Kulturbauten wie das klassizistische Alte Museum Berlin empfinden viele Menschen als einschüchternd.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Heute ist es wieder soweit: 60 Ausstellungshäusern überall in der Stadt verlangen keinen Eintritt. Seit über zwei Jahren gibt es den Berliner „Museumssonntag“ jetzt schon, erfunden hat ihn Kultursenator Klaus Lederer. Als aufrechtem Linken ist es ihm ein Herzensanliegen, wirklich allen Menschen Zugang zum Kunstgenuss zu ermöglichen.

Und er lässt sich diese Teilhabe-Initiative eine Menge kosten. In den beiden Pandemiejahren 2020 und 2021 standen insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, damit die Institutionen ihre Einnahmeausfälle kompensieren und zudem am Museumssonntag kostenlose Begleitprogramme zu ihren Ausstellungen anbieten können. 2022 wurde der Betrag auf zwei Millionen Euro angehoben, die Weiterfinanzierung für 2023 ist gesichert.

Laura Neugebauer und Daniela Billig haben Fragen

Kein Wunder, dass sich angesichts dieser Summen Berliner Parlamentarierinnen wie Laura Neugebauer und Daniela Billig von den Grünen dafür interessieren, ob die Umsonst-und-Drinnen-Aktion von jenen Zielgruppen angenommen wird, für die sie gedacht ist. Ob sich also an den Museumssonntagen tatsächlich Berlinerinnen und Berliner auf den Weg machen, denen ein Ausstellungsbesuch sonst finanziell nicht möglich ist oder die bisher noch gar nicht daran gedacht haben, dass Kunstbetrachtung eine attraktive Freizeitgestaltung sein könnte.

Oder ob nicht doch wieder nur die gewöhnlich gut informierten bildungsbürgerlichen Kreise das Gratis-Angebot nutzen. Neugebauer, die auch Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus ist, und Billig, die kulturpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, haben darum eine offizielle Anfrage bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa gestellt. Deren Beantwortung sie aber nicht wirklich zufriedenstellt.

Viele Sonntags-Gäste haben einen «hohen Bildungsabschluss»

Denn obwohl die Aktion seit Anbeginn wissenschaftlich durch das Institut für kulturelle Teilhabeforschung (IFKT) begleitet wird, sind bislang nur „Zwischenergebnisse“ verfügbar. Und die bleiben äußerst vage in ihren Formulierungen. Da ist zum Beispiel zu lesen, dass der Museumssonntag „sowohl Erst- als auch Wiederholungsbesucher:innen“ anlocke und dass „teilweise“ andere Publikumsschichten erreicht würden als üblich. Die Gäste an diesem Tag seien jedenfalls „recht jung, überwiegend weiblich“ und wiesen einen „hohen Bildungsabschluss“ auf.

„Wir wollen, dass möglichst viele Menschen Berlins breite Kulturlandschaft genießen können. Eine Barriere sind da klar die Eintrittspreise“, betont Daniela Billig. „Die Museumssonntage könnten eine gute Maßnahme sein. Ohne entsprechende Daten können wir das allerdings noch nicht mit absoluter Sicherheit sagen.“ Der Abschlussbericht des IFKT ist für März 2023 angekündigt.

Gegebenenfalls muss nachjustiert werden

Das finden die Parlamentarierinnen zu spät. „Als Abgeordnete ist es unsere Aufgabe zu überprüfen, ob die Handlungen und Pläne des Senats erfolgreich waren und die Fortführung Sinn ergibt“, sagt Laura Neugebauer. Falls dem nicht so sei, müsse bei der Ansprache der Nichtbesucher:innen nachjustiert werden. Um solche Maßnahmen aber rechtzeitig vor dem Beginn der Beratungen für den nächsten Doppelhaushalt planen zu können, sei es wichtig, möglichst bald aussagekräftige Fakten zur Hand zu haben.

Die das Teilhabeforschungs-Institut durchaus liefern kann, denn es führt ja auch das alljährliche „Kulturmonitoring“ durch, eine für alle staatlich geförderten Kulturinstitutionen verpflichtende statistische Erhebung zur Besucherstruktur, die sich der Senat pro Jahr 600 000 Euro kosten lässt. Eine weitere halbe Million Euro hat Klaus Lederer übrigens schon einmal in seinem Etat reserviert für eine „Diversitätsoffensive in landesgeförderten Einrichtungen“, deren Pilotphase 2023 beginnen soll. Frederik Hanssen

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