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Bundesweite Razzia gegen „Reichsbürger“-Netzwerk: Prinz, Richterin und KSK-Soldat sollen Putsch geplant haben

Faeser: „Abgrund terroristischer Bedrohung“ ++ Durchsuchungen in Thüringer Waldschloss, Berliner Villenviertel und Kaserne

Bundesweite Razzia gegen „Reichsbürger“-Netzwerk: Prinz, Richterin und KSK-Soldat sollen Putsch geplant haben

Quelle: BILD 07.12.2022 08:19 Teilen Twittern Senden Von: Axel Lier, Karl Keim, Matthias Becker, Dirk Böttger, Jürgen Mahnke, Jan Schumann und Stefan Häßler 07.12.2022 — 20:57 Uhr

Berlin – Mega-Razzia gegen die deutsche „Reichsbürger“-Szene, weil sie einen gewaltsamen „Systemumbruch“ planten. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (52, SPD) spricht von einem „Abgrund terroristischer Bedrohung“.

Seit den frühen Morgenstunden gehen Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) und Spezialeinheiten wie die GSG 9 und mehrere SEK bundesweit gegen die sogenannte „Reichsbürger“-Szene vor. Unter dem Decknamen Soko „Schatten“ durchsuchen rund 3000 Einsatzkräfte 137 Objekte von 52 Beschuldigten. Es soll 25 Festnahmen gegeben haben.

Bundesweite Razzia gegen „Reichsbürger“-Netzwerk: Prinz, Richterin und KSK-Soldat sollen Putsch geplant haben

Im Auftrag des Generalbundesanwalts: Spezialkräfte stürmen ein Haus in Berlin-Wannsee

Foto: spreepicture

„Die heute aufgedeckte mutmaßliche terroristische Vereinigung ist — nach dem Stand der Ermittlungen — von gewaltsamen Umsturzfantasien und Verschwörungsideologien getrieben“, erklärte Faeser am Mittwoch in Berlin nach bundesweiten Razzien gegen die Gruppe am Morgen. Der Rechtsstaat wisse sich jedoch „gegen die Feinde der Demokratie zu wehren“.

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Polizisten der Einsatzhundertschaft sichern die Umgebung rund um das Zielobjekt ab

Foto: spreepicture

Punkt 6 Uhr stürmten Spezialeinsatzkräfte ein Haus im Berliner Villenviertel Wannsee, nahmen die ehemalige AfD-Bundestagsabgeordnete und Berliner Richterin Birgit Malsack-Winkemann (58) fest. Drei Minuten später fand ein Zugriff auf dem Jagdschloss Waidmannsheil in Bad Lobenstein (Thüringen) statt.

Zeitgleich rückten die Beamten in rund 30 Objekte in Baden-Württemberg und u.a. in eine Autowerkstatt und eine Zimmerei im Erzgebirge (Sachsen) ein. Weitere Durchsuchungen fanden in Bayern, Hessen, Niedersachsen sowie in Österreich (Kitzbühel) und in Italien (Perugia) statt.

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Im Erzgebirge durchsuchten die Beamten der Soko „Schatten“ eine Autowerkstatt

Foto: Picxell

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Großeinsatz auch in der Frankfurter Fichardstraße. Der Gesuchte war nicht Zuhause

Foto: Jürgen Mahnke

Die Zielpersonen

Nach BILD-Informationen hatte sich das Terror-Netzwerk um den als Gefährder eingestuften Prinz Heinrich XIII. Reuß (71) und die Berliner Richterin Birgit Malsack-Winkemann gebildet.

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Richterin Birgit Malsack-Winkemann (58) musste im Oktober 2022 selbst vor Gericht erscheinen, weil über ihre vorzeitige Versetzung in den Ruhestand beschieden werden soll

Foto: Olaf Wagner

Weitere Mitglieder ihrer Vereinigung: Maximilian Eder, Michael F., Paul G., Norbert G., Markus H., Frank H., Matthias H., Ruth L., Andreas M., Thomas M., Harald P., René R., Melanie R., Ralf S., Wolfram S., Thomas T., Marco v. H., Rüdiger von Pescatore, Ex-AfD-Stadtrat Christian W. und Peter Wörner.

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Prinz Heinrich XIII. Reuß wird in Handschellen abgeführt

Foto: Boris Roessler/dpa

Als mutmaßliche Unterstützer wurden die russische Staatsangehörige Vitalia B. sowie die Deutschen Alexander Q. und Frank R. festgenommen.

Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll auch in NRW die Wohnung einer Polizei-Sachbearbeiterin durchsucht worden. Die Frau sei aber nicht festgenommen worden.

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Sorgfältig geplanter Zugriff: Einheiten sichern während des Zugriffs am Jagdschloss Waidmannsheil in Thüringen das Gelände ab

Foto: Marcus Scheidel/MAS Bildagentur

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Rückzug zu Fuß: Nach der Stürmung verließ die Spezialeinheit das Jagdschloss Waidmannsheil

Foto: Marcus Scheidel/MAS Bildagentur

Hinweis kam aus Berlin

Die Ermittler des Berliner LKA hatten das Geheimbündnis um einen in Hessen wohnhaften Mann aufgespürt. Nach BILD-Informationen meldete die Senatsverwaltung Ende August 2022 den Verdacht einer „verfassungsfeindlichen Gruppierung“ an die Bundessicherheitsbehörden.

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Nach der Festnahme rückt die Kriminaltechnik an, um in den Häusern und Wohnungen weitere Beweise zu sichern

Foto: spreepicture

Zentrales Gremium der Vereinigung sei ein „Rat“. Dieser verfügt ähnlich wie das Kabinett einer Regierung über Ressorts wie Justiz, Außen und Gesundheit. „Die Mitglieder des Rates haben sich seit November 2021 regelmäßig im Verbogenen getroffen, um die angestrebte Machtübernahme in Deutschland und den Aufbau eigener Staatsstrukturen zu planen“, so eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft.

Weiter heißt es: „Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, die bestehende staatliche Ordnung in Deutschland zu überwinden und durch eine eigene, bereits in Grundzügen ausgearbeitete Staatsform zu ersetzen.“

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Schwer bewaffnet sichert dieser sächsische Polizist der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit das Anwesen des Beschuldigten Christian W. während der Razzia

Foto: Picxell


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Polizisten führen den ehemaligen AfD-Stadtrat Christian W. aus seinem Haus im Erzgebirge (Sachsen) ab

Foto: Picxell


Der Plan der Kriminellen: Ein „militärischer Arm“ sollte den demokratischen Rechtsstaat auf Ebene der Gemeinden, Kreise und Kommunen beseitigen. Dabei würden Tote in Kauf genommen. „Die Vereinigung nimmt dieses Szenario als notwendigen Zwischenschritt zum angestrebten Systemwechsels auf allen Ebenen“, so die Bundesanwaltschaft.

Unter den Verdächtigen ist auch ein aktiver Soldat des KSK. Dessen Wohnung und Dienstzimmer in einer Kaserne wurden in Calw (Baden-Württemberg) durchsucht. Der Soldat soll Mitglied des Stabes der Eliteeinheit sein, so der Militärische Abschirmdienst (MAD).

Nach dem Putsch wollten sie die Regierung bilden. Der neue Regierungsapparat sollte nach monarchischen Grundsätzen und aufgeteilt in verschiedene Ministerien als „Fürstentum“ etabliert werden.

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