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Das Bundesjugendorchester zu Gast in Berlin : Erstaunlich reif

Beim «Young Euro Classic»-Festival im Berliner Konzerthaus begeistert das Bundesjugendorchester unter der Leitung von Marc Albrecht.

Das Bundesjugendorchester zu Gast in Berlin : Erstaunlich reif

Marc Albrecht und das Bundesjugendorchester in Aktion.Foto: Kai Bienert

Die musikalische Zukunft liegt in guten Händen: Zu diesem tröstlichen Schluss kommt man nach dem Konzert des Bundesjugendorchesters am Samstag im Konzerthaus. Die über 100 Musiker*innen unter der begeisternden Leitung von Marc Albrecht spielen überragend perfekt und diszipliniert.

In seiner Patenrede entwirft der Schauspieler Boris Aljinovic einen fiktiven Dialog zwischen Brahms und Mahler in einem Wiener Kaffeehaus. Tatsächlich freundeten sich die Komponisten 1890 an. Brahms schätzte Mahler so sehr, dass er ihn erfolgreich für die Position des Direktors der Wiener Hofoper vorschlug.

Antje Weithaas und Maximilian Hornung beeindrucken bei Brahms

In Brahms’ Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester gibt es allerdings wenig Wienerisches. Es herrscht traditionsbewusste hanseatische Strenge. Die 14 bis 19 Jahre alten Jugendlichen erfüllen bei ihrem Auftritt im Rahmen von Young Euro Classic Brahms’ herbes Spätwerk mit erstaunlicher Reife. Die Solisten Antje Weithaas (Violine) und Maximilian Hornung (Violoncello) fühlen sich sichtlich wohl und nehmen immer wieder den Kontakt zu den Streichergruppen auf.

Die schönsten Momente sind die intimen, lyrischen Dialoge mit den Pianissimi der Holzbläser. Wenn Weithaas und Hornung gegenseitig die Phrasen des anderen vollenden, wirken sie wie ein einziges Instrument. Nur beim Versuch, der Klangfülle des Orchesters etwas entgegenzusetzen, führt die Akustik des Konzerthauses weniger zu Klangvolumen als zu forcierten Tönen.

Junge Leute verstehen Mahler besonders gut, fand Leonard Bernstein

Dann folgt mit Gustav Mahlers 1. Sinfonie das Werk eines Komponisten, dessen zerrissene Emotionalität, laut Leonard Bernstein, junge Menschen besonders verstehen. Tatsächlich zeigt sich das Bundesjugendorchester hier in seinem Element. Mahlers Themen, Liedzitate und Bläserfanfaren stehen schroff nebeneinander, durchdringen sich und verschwinden, nur, um dann wiederzukehren. Im dritten Satz mit seiner Moll-Version des Kanons „Bruder Jakob“ gelingen den Holzbläsern im Mittelteil an Klezmer erinnernde Klänge. Bei allem Enthusiasmus wird hier gleichzeitig so transparent musiziert, dass man sich wünscht, das Orchester möge genau so bestehen bleiben, seine Begeisterung behalten und nur noch an Erfahrung gewinnen.

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