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Das gab’s noch nie | Berlin muss sich für Bordell-Razzia entschuldigen

Das gab’s noch nie  | Berlin muss sich für Bordell-Razzia entschuldigen

Bei der Großrazzia im April 2016 waren 680 Polizisten, sieben Staatsanwälte und 220 Zollbeamte im Einsatz

Foto: Fabian Matzerath Teilen Twittern Senden Von: michael behrendt und anne losensky 12.11.2022 — 13:41 Uhr

Berlin – Das Land Berlin soll sich entschuldigen. Weil es das freiwillig nicht tut, hilft das Kammergericht bei der Formulierung. Berlin ist so weit einverstanden. Aber dann geht es um Geld – und Berlin lässt alles an 5000 Euro für krebskranke Kinder scheitern!

► Der Fall: 13. April 2016, Großrazzia im Bordell „Artemis“. Die Vorwürfe: Zuhälterei, Menschenhandel, Sex-Ausbeutung. Die Betreiber-Brüder landen hinter Gittern. Die Staatsanwaltschaft sagt, das „Artemis“ basiere auf organisierter Kriminalität, der Coup der Polizei erinnere an das Vorgehen gegen Al Capone.

► Heiße Luft: Vier Monate sitzen sie in U-Haft. Am 16. November 2018 lehnt das Landgericht ab, das Hauptsacheverfahren zu eröffnen. Aber öffentlich wird weiter der Eindruck erweckt, an den Vorwürfen sei was dran.

► Die verlorene Ehre der Bordellchefs: Erst jetzt ist das Land bereit, sich öffentlich bei Hakki (60) und Kenan (58) Simsek zu entschuldigen – so etwas gab es noch nie in Berlin!

Das gab’s noch nie  | Berlin muss sich für Bordell-Razzia entschuldigen

Geschäftsführer Florian Gram (r.) und Bordell-Inhaber Kenan Simsek (58) am Freitag vor dem Kammergericht

Foto: Olaf Wagner

„Das Land Berlin entschuldigt sich für durch diese Äußerungen hervorgerufenen Nachteile, insbesondere einen Reputationsverlust der damals beschuldigten Personen und jetzigen Kläger“, heißt es in dem Entwurf.

Weiter: Die „Artemis“-Brüder „verzichten auf eine materielle Geldentschädigung. Stattdessen spendet das Land Berlin auf Wunsch der Kläger an eine vom Gericht zu bestimmende gemeinnützige Organisation zur Unterstützung krebskranker Kinder einen einmaligen Betrag von …“

Es geht zu wie auf dem Basar. Die Brüder wollten 100 000 Euro. Das Gericht schlägt 50 000 Euro vor. Berlin sagt 10.000 Euro. Die Brüder: 30.000 Euro. Berlin: 20.000 Euro. Die Brüder: 25.000 Euro!

Das gab’s noch nie  | Berlin muss sich für Bordell-Razzia entschuldigen

Das Großbordell „Artemis“ liegt direkt an der Stadtautobahn in Höhe des Dreiecks Funkturm

Foto: Mario Firyn

An diesen 5000 Euro mehr oder weniger entzündet sich ein hitziger Streit. Das Ende vom Lied: Die Landesvertreter lassen nach einem Telefonat mit ihren Vorgesetzten alles platzen und sagen: Nö, maximal 10 000 Euro.

► Die Wutrede: Richterin Dr. Cornelia Holldorf: „Das ist eine solche Missachtung des Gerichts, des höchsten Zivilgerichts des Landes! Einer, der überhaupt nicht in der Vergleichsverhandlung dabei war, entscheidet auf Zuruf und sagt Njet!“

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