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Das Saisonfinale von Hertha BSC : Rettung oder Relegation

Schafft Hertha BSC im letzten Saisonspiel gegen Borussia Dortmund den Klassenerhalt? Oder muss das Team in die Relegation?

Das Saisonfinale von Hertha BSC : Rettung oder Relegation

Was tun, wenn’s brennt? Ein Szenario wie vor zehn Jahren in der Relegation gegen Düsseldorf würde Hertha BSC in dieser Saison…Foto: imago sportfotodienst

Felix Magath ist nervös. Aber Felix Magath, der Trainer von Hertha BSC, ist nach eigener Aussage vor jedem Spiel nervös. Seine nervliche Anspannung liegt also nicht ausschließlich darin begründet, dass an diesem Samstag (15.30 Uhr, live bei Sky) für ihn und seine Mannschaft ein besonderes Spiel in der Fußball-Bundesliga ansteht. Punkten die Berliner bei Borussia Dortmund, sind sie gerettet. Punktet Hertha nicht, während der VfB Stuttgart im Parallelspiel gegen den 1. FC Köln gewinnt, dann geht die Saison für Hertha mit zwei Relegationsspielen gegen den Dritten der Zweiten Liga in die Verlängerung.

Die Fans haben natürlich längst eine Ahnung, was passieren wird. Die einen diese, die anderen jene. Für jede der beiden Varianten gibt es gute Gründe. Hier sind sie.

Vier Gründe für Hertha

Der Trainer. Felix Magath, bald 69 Jahre alt, hat in seiner Karriere schon so ziemlich alles erlebt. Nur eines nicht: einen Abstieg aus der Fußball-Bundesliga. Abgesehen von dieser Statistik nährt auch Magaths Arbeit in Berlin die Zuversicht, dass es für Hertha doch wieder gut ausgehen wird. Der Trainer strahlt nicht nur die Ruhe aus, die in einer solchen Situation vonnöten ist, er hat die Mannschaft auch entscheidend stabilisiert.

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„Ich habe hier angefangen, da waren wir abgestiegen“, sagt Magath. „Es war alles voller Resignation und Hoffnungslosigkeit.“ Auf Platz 17 lagen die Berliner Mitte März, kein einziges Spiel hatten sie bis dahin im Jahr 2022 gewonnen. Seitdem holten sie aus sieben Spielen zehn Punkte – und sind weiterhin in der komfortablen Situation, dass sie alles in der eigenen Hand haben.

Borussia Dortmund. Der VfB Stuttgart hingegen, der letzte verbliebene Konkurrent um Platz 16, ist auf fremde Hilfe angewiesen, auf die von Borussia Dortmund nämlich. „Vielleicht haben sie noch ein Herz für den kleinen Dicken“, sagt Stuttgarts Sportchef Sven Mislintat, der nicht nur in Dortmund geboren ist, sondern auch viele Jahre für den BVB als Scout gearbeitet hat. Vielleicht.

Um richtig viel geht es für Dortmund nicht mehr, zumal das Spiel gegen Hertha im Zeichen des Abschieds stehen und eine Menge Nostalgie über dem Stadion liegen wird. Das gilt weniger im Fall von Erling Haaland, der nach zweieinhalb Jahren beim BVB weiter der Spur des Geldes folgt. Das gilt vor allem für zwei echte Borussen: für Marcel Schmelzer, der als Teenager zum BVB gekommen ist und jetzt, 17 Jahre später, seine Karriere beendet. Und natürlich für Michael Zorc, der sich nach knapp viereinhalb Jahrzehnten bei Borussia Dortmund komplett aus dem Profifußball zurückzieht.

Die Erinnerung. Es gab in dieser Saison nicht allzu viel, auf das Hertha BSC mit, ja, fast so etwas wie Stolz zurückschauen kann. Das Hinspiel gegen den BVB kurz vor Weihnachten ist da eine löbliche Ausnahme. 3:2 gewannen die Berliner, und noch immer dient diese Partie als Beleg dafür, dass bei besserer Ausnutzung der eigenen Möglichkeiten deutlich mehr drin gewesen wäre.

„Viel Spielfreude, Kreativität und Mut“ hat der damalige Trainer Tayfun Korkut in diesem Spiel bei seiner Mannschaft gesehen. Dummerweise kam unmittelbar danach die Winterpause, und als die Rückrunde startete, war von Spielfreude, Kreativität und Mut nicht mehr viel zu sehen.

An diesem Samstag in Dortmund steht immerhin Marco Richter, der zwei der drei Tore zum Sieg gegen den BVB erzielte, nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung. Und Stevan Jovetic, Herthas bester Torschütze, kehrt nach fünf Wochen Verletzungspause in den Kader zurück. Für die Startelf reicht es noch nicht, aber vielleicht für einen Einsatz als Joker und den entscheidenden Treffer zum Klassenerhalt in der Nachspielzeit.

Der 1. FC Köln. Unabhängig davon, dass die Kölner noch eine Chance auf die Europa League (anstelle der Conference League) haben und deshalb gegen den VfB Stuttgart höchst motiviert sein dürften: Der VfB ist auch so etwas wie ihr Lieblingsgegner.

In dieser Saison hat der FC die Stuttgarter schon zweimal – in der Liga wie im Pokal – besiegt. Und überhaupt: Mehr Angstgegner geht kaum. In diesem Jahrtausend hat der VfB nur ein Heimspiel (von zwölf) gegen den FC gewonnen. Nirgendwo gab es für die Kölner in ihrer Bundesligageschichte mehr Siege als in Stuttgart, insgesamt 14 Mal nämlich.

Und hier noch ein besonderes Bonbon für alle, die in den Neunzigern mit der Ran-Sat1-Datenbank sozialisiert worden sind: An einem Samstag, um halb vier hat der VfB zu Hause vor exakt 30 Jahren zuletzt gegen Köln gewonnen. In der Saison, an deren Ende er Deutscher Meister wurde.

Vier Gründe gegen Hertha

Der Trainer. Felix Magath verfügt über einen nicht zu vernachlässigenden Erfahrungsschatz. Vielleicht sieht er die Dinge deshalb klarer, als es viele andere tun. Als zuletzt rund um Hertha schon so was wie Euphorie über den Klassenerhalt ausbrach, da hat der Trainer gemahnt und gewarnt. Aus gutem Grund, wie sich jetzt zeigt.

Was Felix Magath sagt, das stimmt. Und Magath hat schon vor Wochen gesagt: Hertha spielt in der Relegation gegen den HSV, seine alte Liebe. Da kann man nix machen.

Das Personal. Am Donnerstag, zwei Tage vor dem Spiel in Dortmund, übernahm der Chef eine Aufgabe, die er sonst Herthas Pressesprecher überlässt: das Update zur Personalsituation. Denn: Die Personalsituation ist ernst. So ernst, dass sich Magath am Anfang der Woche „ein paar Sorgen gemacht hat“.

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Eine Erkältungswelle ist über Hertha hereingebrochen. Linus Gechter und Niklas Stark fehlen wohl in Dortmund, wenigstens bei Dedryck Boyata sieht es so aus, als könnte er spielen. Bleibt die Frage, wie lange die Luft reichen wird.

Borussia Dortmund. „Wir spielen gegen den Vizemeister“, sagt Felix Magath. „Natürlich ist Borussia Dortmund klarer Favorit.“ Eine Garantie, dass der Favorit am Ende auch gewinnt, ist das natürlich nicht. Im Falle von Hertha BSC spricht jedoch einiges dafür.

Gegen die Top 7 der Tabelle, die Klubs also, die in der nächsten Saison im Europapokal vertreten sind, haben die Berliner von bisher dreizehn Spielen elf verloren. Nur ein einziges konnten sie gewinnen. Das immerhin gegen den BVB.

Die Tradition. Letzter Spieltag: traditionell schwierig für Hertha BSC. In den vergangenen fünf Jahren haben die Berliner das abschließende Saisonspiel stets – und zum Teil sogar heftig – verloren. 2016 holten sie zuletzt einen Punkt, beim 0:0 in Mainz. Den letzten Sieg gab es vor exakt zehn Jahren und bescherte Hertha den Einzug in die Relegation. Vielleicht läuft es ja diesmal genau andersherum.

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