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Deutsche Fans vor dem Finalspiel gegen England : „Wir werden am Ende des Tages keine Stimme haben“

Beim Endspiel hat Alexandra Popp ihren eigenen Fanklub dabei. Er hat sie auf dem Weg zur EM unterstützt und soll gegen die Übermacht englischer Fans helfen.

Deutsche Fans vor dem Finalspiel gegen England : „Wir werden am Ende des Tages keine Stimme haben“

Im ausverkauften Wembley-Stadion werden die deutschen Fans in der deutlichen Unterzahl sein.Foto: Imago

Alle Wege führen zum Nationalteam. Oder so ähnlich könnte man die Beziehung von Patrick Polk zu den deutschen Fußballerinnen beschreiben. Kapitänin Alexandra Popp kennt er vom Fußballspielen und ist eine sehr gute Freundin, Lena Oberdorf ist die Schwester eines Ex-Mitspielers, mit Linda Dallmann studierte er Sportwissenschaft und Sara Doorsoun kennt er aus seiner Zeit bei der SG Wattenscheid 09. Da liegt es auf der Hand, dass Polk am Sonntag nach Wembley reist, um das große Finalspiel gegen England zu schauen.

Fans müssen dafür etwas tiefer in die Tasche greifen, wie eine Recherche der Plattform „Wettfreunde“ ergab. Rund 1266 Euro beträgt der Gesamtpreis, wenn man von Berlin zum Endspiel nach London reist, inklusive Übernachtung und Verpflegung.

Polk war schon beim Halbfinale gegen Frankreich vor Ort dabei – eine ziemlich spontane Entscheidung. „Poppi hatte die Möglichkeit, noch mehr Karten zu bekommen und da haben wir uns natürlich direkt auf den Weg gemacht.“ Zu acht fuhren sie am Mittwochmorgen in Dortmund mit dem Bulli los, setzten mit der Fähre über und erreichten gegen Mittag London. Viel Zeit blieb allerdings nicht, um noch eine Sightseeingtour einzubauen. „Wir sind in Milton Keynes einmal kurz durch eine Shopping Mall gelaufen, waren da kurz essen. Aber das war’s auch schon“, sagt. „Wir saßen deutlich länger auf der Fähre beziehungsweise im Auto als dass wir vor Ort waren.“

Gänsehaut und Tränen in den Augen

Polk, der selbst mehrere Jahre in der Regionalliga spielte, kennt Popp vom Fußball. Als er in der Jugend vom VfL Bochum spielte, war sie auf der Gesamtschule Berger Feld und spielte damals beim FCR 2001 Duisburg „Ich habe häufiger mal gegen die Schalker Jungs gespielt und darüber entwickelte sich der Kontakt“, sagt der 29-jährige Innenverteidiger, „das ist jetzt zwölf Jahre her, aber wir sind in sehr gutem Kontakt geblieben – obwohl sie mittlerweile in Wolfsburg spielt.“

Deutsche Fans vor dem Finalspiel gegen England : „Wir werden am Ende des Tages keine Stimme haben“

Patrick Polk wird Popp auch beim Finalspiel anfeuern vor Ort.Foto: privat

Polk und seine Reisegruppe unterstützten Popp auf ihrem schwierigen Weg zur EM. Die 31-Jährige verletzte sich im vergangenen Jahr schwer am Knie und kehrte erst im Januar zurück auf den Platz. Während der EM-Vorbereitung fing sie sich dann auch noch Corona ein. „Es war immer ihr großes Ziel diese EM zu spielen und dafür hat sie alles gegeben.“ Es sei deshalb sehr emotional gewesen, sie auf dem Platz zu sehen. „Wir alle hatten Gänsehaut und Tränen in den Augen beim Einlaufen, denn wir wussten welchen langen und harten Leidensweg sie hinter sich hat. Sie ist ein Stehaufmännchen.“

Immer für einen Spaß zu haben

Dass Popp trotz aller Herausforderungen ihren Humor nicht verloren hatte, zeigte sich am Freitagnachmittag, als sie plötzlich bei der Pressekonferenz mit angeklebtem Schnurrbart und umgedrehter Baseball-Kappe aufkreuzte. Damit griff sie einen Witz des Satiremagazins „Postillons“ auf, das wenige Tage zuvor getitelt hatte „Flick nominiert Newcomer Alexander Papp für Nationalmannschaft“. „Wir wollen uns einfach mal einen Spaß daraus machen, was alles so in den sozialen Medien passiert“, sagte Popp. „Ich glaube schon, dass es mit der Stimmung hier im Team passt.“

Deutsche Fans vor dem Finalspiel gegen England : „Wir werden am Ende des Tages keine Stimme haben“

Bei der Pressekonferenz erschien Popp plötzlich mit Schnurrbart.Foto: IMAGO/Beautiful Sports

Mit seiner Begeisterung für das deutsche Nationalteam hat Patrick Polk einige in seinem Umfeld angesteckt, die nun auch „Poppi Fans“ geworden sind. In seiner Mannschaft spielt die EM eine große Rolle, viele seiner Kollegen schauen regelmäßig die Spiele. „Die Spielerinnen betreiben extrem gute Werbung für den Frauenfußball. Die Gruppenphase mit 9:0 zu beenden, war eine echte Hausnummer und ein richtiges Ausrufezeichen.“

Am Sonntag wird Polk also nicht nur als Freund von Popp und Co auftreten, sondern auch als Fan des Teams. Die größte Herausforderung dürfte für ihn und seine Mitreisenden darin bestehen, im ausverkauften Stadion gegen die Wucht von englischen Fans anzukommen. „Wir Deutschen werden am Ende des Tages keine Stimme haben.“

Polk setzt aber nicht nur auf die eigene Stimme, sondern auch auf die innere Stärke des Teams, das sich bei den vergangenen Spielen auf beeindruckende Weise selbst gepusht hat. Beim Halbfinale saß er in der zweiten Reihe, direkt hinter der deutschen Bank und beobachtete, „dass auch der gesamte Staff emotional total geladen war und das Team bestmöglich unterstützte.“ Die Mentalität könnte Deutschland am Sonntag erneut zugute kommen. Und bekanntermaßen führen ja viele Wege zum Titel.

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