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European Championships in München : Aus einer Prise Nostalgie sollte keine Olympiabewerbung entspringen

Im Vorfeld der European Championships träumen deutsche Funktionäre schon wieder von Olympia. Doch die Skepsis hierzulande ist groß. Zu Recht! Ein Kommentar.

European Championships in München : Aus einer Prise Nostalgie sollte keine Olympiabewerbung entspringen

50 Jahre nach Olympia findet im Münchner Olympiapark wieder ein sportliches Großevent statt.Foto: dpa

Es bläst gerade ein ordentlicher Wind Nostalgie durch die deutsche Sportlandschaft. In wenigen Tagen beginnen die European Championships, die gebündelten Europameisterschaften in neun Sportarten im Olympiapark München. Die Sportstätten unter der einzigartigen Zeltdachkonstruktion werden 50 Jahre nach Olympia in der bayrischen Landeshauptstadt wieder Austragungsort eines sportlichen Großevents sein.

Noch bevor der erste Startschuss gefallen ist, wird darüber diskutiert, ob es in Deutschland nicht mal wieder Zeit für Olympia wäre. Denn die Sommerspiele in München vor 50 Jahren waren auch die letzten hierzulande. „Das Beispiel München kann auch dazu beitragen, Akzeptanz und Zustimmung für das Thema Olympia in unserem Land zu stärken“, sagt Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds.

Zustimmen kann man Weikert insofern, als die European Championships tatsächlich auf nachhaltigem Grund stattfinden. Die Wettbewerbsstätten in München sind schon lange da und mussten nicht teuer gebaut werden. Überhaupt ist der Olympiapark München ein Paradebeispiel für den positiven Effekt von Olympia. Bis heute prägt er das Stadtbild und wird für den Sport wie auch zum Wohnen gerne genutzt. Es gibt keinen Zweifel: Der Olympiapark hat die Lebensqualität in der schönen Stadt München über all die Jahre noch ein bisschen verbessert.

Doch Weikert blendet aus, dass die European Championships nicht die Olympischen Spiele sind. Diese sind vom Umsatz wie vom Umfang um ein Vielfaches höher als die Wettbewerbe in den kommenden Tagen. Olympia ist das Produkt milliardenschwerer Unternehmen, organisiert vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Sinn und Zweck der Spiele ist das Erschließen neuer Märkte, das Geldverdienen. Dafür diktieren die Sponsoren und das IOC als ihr ausführendes Organ die Bedingungen.

Dies war auch einer der Gründe, weshalb die bayrische Bevölkerung 2013 zuletzt eine Bewerbung für die Winterspiele 2022 abgeschmettert hatte. Man wollte sich nicht den Forderungen des IOC beugen. Ein anderer war, dass die Spiele am Ende doch viel größer dimensioniert gewesen wären, als es den Bürgerinnen und Bürgern lieb war. Etliche temporäre Sportstätten hätten errichtet werden müssen. Von wegen nachhaltig. Zumindest im Moment mutet Weikerts Traum von Olympia etwas blauäugig an.

Am Thema Nachhaltigkeit kommen die Olympia-Macher nicht mehr vorbei

Andererseits sind die Olympia-Macher nach den milliardenschweren Skandal-Spielen in Sotschi 2014 oder auch zuletzt in Peking um ein besseres Image bemüht. Am Thema Nachhaltigkeit kommen sie nicht mehr vorbei. Vielleicht liegt darin die Chance der Deutschen. So wird selbst eine Olympiabewerbung Berlins für 2036, 100 Jahre nach den Propagandaspielen der Nationalsozialisten, für möglich gehalten. Es gäbe ja ein paar nachvollziehbare Argumente für die Spiele in dieser Stadt.

Wer etwa schon einmal die Container- Außentoilette des Jahnstadions in Prenzlauer Berg besuchen musste, weiß, dass in dieser Stadt mit der Sportinfrastruktur etwas grundsätzlich nicht stimmen kann. Der Verfall im Kleinen spiegelt sich im Großen wider. Viele Sportstätten Berlins sind alt und marode. Olympische Spiele böten die Chance, dass der Sport in dieser Stadt einen neuen Anstrich bekommt. Selbst aus der peinlichen Bewerbung Berlins für die Sommerspiele im Jahr 2000 resultierten die Europapark-Schwimmhalle, das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle. Drei Sportstätten, die bis heute stark frequentiert sind.

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Die entscheidende Frage ist, inwieweit das IOC den Imagewandel von gigantischen hin zu nachhaltigen Spielen wirklich umsetzen kann – und will. Die IOC-Kampagnen dazu waren zuletzt etwas verlogen. Über 90 Prozent der Olympiasportstätten aus dem 21. Jahrhundert seien bis heute in Betrieb, heißt es vom Weltverband. Die Wahrheit ist aber, dass einige dieser Sportstätten zweckentfremdet sind, dort kaum oder nur noch sehr selten Sport ausgetragen wird. Gegen den gelebten Imagewandel spricht auch die Historie. Trotz aller Beteuerungen wurden die Spiele immer teurer.

Das IOC und seine Unterstützer müssten die Uhr schon verdammt weit zurückdrehen, um den Olympia-skeptischen Deutschen wieder Lust auf die Spiele zu machen. Vielleicht bis ins Jahr 1972.

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