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«GNTM» 2022 nähert sich dem Finale : So Klum, so klug

Die 17. Staffel bietet keine Castingshow, sondern Unterhaltung mit vermeintlichen Models. Das genau aber revitalisiert «GNTM». Ein Kommentar.

"GNTM" 2022 nähert sich dem Finale : So Klum, so klug

Model-Mutti Heidi Klum im Kreise ihrer Models.Foto: Sven Doornkaat/ProSieben

Vier Mal werden wir noch wach – dann ist es vollbracht. Am Donnerstag, 26. Mai, wird gegen Mitternacht „Germany’s Next Topmodel“ gekürt sein. Dann ist die 17. Staffel beendet. Schon jetzt, vor dem Viertelfinale, zeichnet sich ab, dass „GNTM“ lebt, vitaler ist denn je, im bisherigen Fernsehjahr 2022 die erfolgreichste Show bietet.

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Ob „GNTM“-Übermutti Heidi Klum oder der verantwortliche ProSieben mehr Verantwortung dafür trägt, egal, die Erweiterung der schon eingeführten Diversity von Curvy- und Petite-Model um das Kriterium Alter hat das Format als Castingshow quasi ruiniert; es ist nicht möglich, auf jeden Fall nicht verständlich, dass junge Frauen um die 20 mit Frauen über 60 um den Titel konkurrieren sollen.
Das können sie definitiv nicht, eine Sechzigjährige wird ernsthaft nicht „Miss Germany“ werden, wohl aber im Wettbewerb „Miss Germany 60+“ reüssieren können. Schönheit vor Alter geht immer, Alter vor Schönheit weniger.

[Germany’s Next Topmodel», ProSieben, Donnerstag, 20 Uhr 15]
Im Effekt hat „GNTM“ eine Doppelkonkurrenz etabliert, zwei Castingshows verbinden sich, nein, sie überlagern sich. Schlimm, könnte man schreien, ein Verrat an der Grundidee. Könnte man, muss man aber nicht. Mit dem Diversity-Konzept hat „GNTM“ sich erkennbar geweitet, derart an Vielfalt gewonnen, dass das Universum der Kandidatinnen das Universum des (weiblichen) Publikums reflektiert. Die Schärfe, das Exklusive, das Ausschließende, Konkurrenzkategorien, die die Show über viele Staffeln geprägt haben, haben deutlich an Gewicht verloren. Ist „woke“ dafür das richtige Prädikat? Passt ja in diese Zeit.
„GNTM“ ist keine Castingshow mehr nach dem Reinheitsgebot des Fernsehformats. Mit dem empfundenen Verlust geht freilich ein sichtbarer Gewinn für die Show einher. Mit der Ausspreizung der Kandidatinnen ist die Gleichförmigkeit einer Sternförmigkeit gewichen.

25 trifft auf 66

Noella (25) trifft also auf Lieselotte (66), Lou-Anne (18) ist weiterhin mit ihrer Mutter Martina (50) im Rennen. Das schafft neue Reibungen, da geht es weniger um Model-Fragen als um Fragen des (altersmäßigen) Umgangs, des Respekts untereinander. Mode, Models, Moneten bleiben wichtig in der „GNTM“-WG, im Vordergrund sind sie nicht länger.
Der Entertainment-Faktor ist gewachsen, eine Teilnehmerin wie Lieselotte, wahre Berliner Wundertüte aus Naivität und Raffinesse, ist pures Unterhaltungs-Gold. Auch Noella und die anderen machen mehr Personality-Punkte als dass sie Model-Spitzenpositionen besetzen. Und wenn Heidi Klum, die aktuell nicht mehr von ihren „Mädchen“, sondern von ihren „Models“ spricht, Rosa-Vokuhila-Viola aus der Show schmeißt ( „keine Kunden!“), die dann von keinem Geringerer als Jean-Paul Gautier engagiert wird, , gerät das Publikum in Ekstase – die Klum irrt sich, wie erleichternd ist das denn!

Publikum ist empört und begeistert

Das Publikum reagiert in allen Medienkanälen, insbesondere Lieselotte empört und begeistert – kann es für die Show besser laufen? Auch das ist Kalkül: Heidi Klum/ProSieben halten diese Anziehungskräfte von Ausgabe zu Ausgabe in der Bewerberinnenrunde, der Unterhaltungsfaktor überwölbt den Castingfaktor.
It works. Die Werbebuchungen schauen sich gigantisch an, zuweilen ist es schwer, die Show zwischen den Spots zu zu finden. Bei „GNTM“ funktionieren die Aufmerksamkeits- wie die Eitelkeitsökonomie gleichermaßen. In der Perspektive professionellen, kommerziellen Fernsehens geht es kaum besser.

Die 2021-Gewinnerin wird niemand übertreffen

Am 26. Mai fällt Heidi Klum ihre Entscheidung. Die Siegerin wird der vormaligen Gewinnerin Alex Mariah Peter niemals das Wasser reichen können. Was jetzt nebensächlich ist. Die 17. Staffel von „GNTM“ hatte anderes vor, ihr Finale bedeutet nur die letzte Sendung.

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