The latest news, top headlines

„Könnte der Türöffner sein“ : Umweltbundesamt fordert Nachfolgemodell für 9-Euro-Ticket

Auch in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs müsse investiert werden. Allein die Deutsche Bahn hat das Ticket 26 Millionen Mal verkauft.

„Könnte der Türöffner sein“ : Umweltbundesamt fordert Nachfolgemodell für 9-Euro-Ticket

Reisende kommen mit dem Zug am Bahnhof Norddeich Mole in Niedersachsen an.Foto: dpa/Sina Schuldt

Das Umweltbundesamt hat sich mit Blick auch auf Klimaziele für ein Nachfolgemodell des 9-Euro-Tickets zu Beginn nächsten Jahres ausgesprochen. Der Präsident der Behörde, Dirk Messner, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ein attraktives, deutschlandweit gültiges Nachfolgeangebot zum 9-Euro-Ticket könnte der Türöffner sein, dass die öffentlichen Verkehrsmittel nach und nach als eine attraktive Alternative zum Auto erkannt werden.“ Ein solcher Türöffner sei dringend nötig.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Ein Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket sei sehr sinnvoll, sagte Messner. „Es muss aber damit verbunden sein, dass zugleich in den Ausbau und die Qualitätsverbesserung des öffentlichen Verkehrs investiert wird. Nur so wird ein Schuh daraus, nur so entstehen größere Entwicklungsdynamiken. Die Kapazitäten des öffentlichen Verkehrs sind derzeit begrenzt.“

Das 9-Euro-Ticket läuft Ende August aus. Ob und — falls ja — ab wann es ein Nachfolgemodell gibt, ist offen.

„Das 9-Euro-Ticket wird millionenfach genutzt“, sagte Messner. „Die Menschen haben dieses Angebot angenommen und sind in öffentliche Verkehrsmittel eingestiegen. Das ist ein Erfolg.“ Es gebe eine erste Studie vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) für den Aktionsmonat Juli, der eine Verlagerung von privaten Pkw auf die öffentlichen Verkehrsmittel sehe. Der Verkehrssektor gilt als ein Sorgenkind beim Klimaschutz, Klimaziele drohen verfehlt zu werden.

„Die Leute steigen um, wenn es einfach ist, wenn es günstig ist und wenn es flexibel genutzt werden kann“, sagte Messner. Ein 9-Euro-Ticket sei dauerhaft kaum finanzierbar. „Ein deutschlandweites 49-Euro-Ticket oder ein 69-Euro-Ticket wäre aber sinnvoll und mit dem Abbau umweltschädlicher Subventionen im Verkehr finanzierbar.“

[Mehr zum Thema: Wirklich ein Auslaufmodell?: Das hat das 9-Euro-Ticket gebracht (T+)]

Auch die Deutsche Bahn zog kurz vor dem Ende des 9-Euro-Tickets eine positive Bilanz. Allein über die Kanäle des Konzerns seien rund 26 Millionen der Sonderfahrten verkauft worden, teilte die neue Regionalverkehrsvorständin, Evelyn Palla, am Sonntag mit. „Jeder fünfte 9-Euro-Ticket-Nutzer hat die öffentlichen Verkehrsmittel neu für sich entdeckt.“ Es seien mehr Fahrgäste im Regionalverkehr unterwegs gewesen als vor Corona.

Wie viele Tickets insgesamt bundesweit verkauft wurden, blieb zunächst offen. Aktuelle Zahlen will der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) an diesem Montag veröffentlichen. Anfang August hatte der Verband mitgeteilt, dass in den ersten beiden Gültigkeitsmonaten Juni und Juli insgesamt rund 38 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft worden seien. Hinzu kämen demnach die rund zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die nicht extra ein eigenes 9-Euro-Ticket kaufen mussten.

Finanzierung eines Nachfolgemodells noch offen

Wie genau die Finanzierung eines Nachfolgemodell aussehen könnte, müssten Bund, Länder und Verkehrsunternehmen dem Umweltbundesamt zufolge schnell klären, damit Anfang nächsten Jahres ein Folgeticket angeboten werden könne. Mittelfristig würde ein solches Angebot mehr und mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr locken und damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr leisten.

Lesen Sie auch auf Tagesspiegel Plus:

  • Die gängigen Wärmetechniken im Kosten-Check: Welche Heizung langfristig am günstigsten ist
  • Zurückgezogene Winnetou-Bücher: Warum Karl May nicht pauschal verdammt werden sollte
  • Serie „Die Unverzichtbaren“: „Man kann sich so nicht auf die Kinder konzentrieren“
  • Wie krank Kiffen machen kann: Als Cannabis den Alltag von Max zerlegte
  • Finanzämter berechnen neu: Für wen die Grundsteuer teurer wird – und wie man sich wehren kann

„Beim Verkehr müssen wir an zwei großen Schrauben drehen“, sagte Behörden-Chef Messner. „Der erste Punkt, an dem wir arbeiten müssen, ist die Antriebswende. Das ist die Elektrifizierung, da stimmt die Richtung, aber wir sind noch nicht am Ziel. Mit der Antriebswende kann etwa die Hälfte der Treibhausgasemissionen reduziert werden, die wir reduzieren müssen, damit wir unsere Klimaziele erreichen können.“

Die andere Hälfte beziehe sich auf die Verkehrswende. „Verkehrswende heißt: Wir brauchen einen stärkeren Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel und eine Reduzierung des privaten Verkehrs und der Nutzung privater Pkw. Und da kann ein günstiges, einfach zu nutzendes Ticket für den ÖPNV ein Türöffner sein.“ (dpa)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.