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Livestream auf Youtube : Mutmaßliches Wedel-Opfer im Hungerstreik

Kritik an Justiz: Die Schauspielerin Jany Tempel beklagt lange Verfahrensdauer und greift zu drastischen Mitteln

Livestream auf Youtube : Mutmaßliches Wedel-Opfer im Hungerstreik

Schauspielerin Jany Tempel wirft Regisseur Dieter Wedel Vergewaltigung vor.Foto: dpa

Drastische Entwicklung in der Affäre um Regisseur Dieter Wedel: Die Schauspielerin Jany Tempel kritisiert in einem Live-Stream die Münchner Justiz. Auf ihrer Homepage kündigte sie an, in den Hungerstreik zu treten, bis über die Anklage gegen Dieter Wedel wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung entschieden wurde. Vor mehr als einem Jahr hatte die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Wedel erhoben. Sie geht davon aus, dass der Regisseur Tempel im Sommer 1996 in einem Münchner Luxushotel vergewaltigt hat. Er bestreitet die Vorwürfe. Das Landgericht München I muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.

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„Nach so vielen Jahren täglicher Ungerechtigkeit und permanenter psychischer Körperverletzung, trete ich nun hiermit in Hungerstreik, bis Sie endlich auf mein und unser aller Anliegen eingehen und dieser permanenten Retraumatisierung ein Ende setzen“, heißt es auf der Homepage der Schauspielerin («Marienhof»), von der ein Link zu einem Live-Stream auf Youtube führt. Darin ist zu sehen, wie eine weißgekleidete, dunkelhaarige Frau, bei der es sich um Tempel handeln könnte, in einem Käfig sitzt. Sie spielt mit ihrem Handy, liegt im Käfig, sie sagt in der Dreistunden-Version auf Youtube nichts, hin und wieder läuft eine Person durchs Bild. Der Zuschauer soll erkennen, dass sich Tempel durch die Justiz wie in einen Käfig eingesperrt fühlt, quasi bewegungs- und lebensunfähig. Die ganze Szenerie vermittelt etwas Theatralisches.

Tempels Anwalt Alexander Stevens wollte sich zu der Aktion seiner Mandantin nicht äußern. Er hatte die lange Verfahrensdauer allerdings schon mehrfach scharf kritisiert und im Mai eine offizielle Verzögerungsrüge verfasst.

Tempel leidet unter langer Verfahrensdauer

„Im Hinblick auf die überlange Verfahrensdauer ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass es sich bei der Anklage der Staatsanwaltschaft um einen Fall von Schwerstkriminalität handelt, der meine Mandantin ganz erheblich belastet“, schrieb Stevens damals. Tempel, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt, leide „sehr unter der langen Verfahrensdauer“, schreibt Stevens. Ihr seien „zahlreiche materielle und immaterielle Schäden entstanden“. Er beantragte, „das Hauptverfahren zu eröffnen und zeitnah Termine zur Hauptverhandlung zu bestimmen“.

Die Staatsanwaltschaft hatte Wedel schon im März vergangenen Jahres wegen eines Vorwurfs aus dem Sommer 1996 angeklagt. Die Schauspielerin Jany Tempel gibt an, Wedel („Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“) habe sie im Alter von 27 Jahren in einem Münchner Hotel vergewaltigt, als sie für eine Rolle vorsprechen wollte. Die 20-seitige Anklage wegen Vergewaltigung führt nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 20 Zeugen, eine Gutachterin und Kalendereinträge als Beweismittel an.

Wedels Anwälte sprechen von Vorverurteilung

Dieter Wedel wiederum bestreitet die Vorwürfe. Seine Anwälte sprachen von Vorverurteilung und betonten die Wahrscheinlichkeit, dass die Anklage gar nicht zugelassen werden könnte — obwohl das in der deutschen Justiz nur sehr selten vorkommt.

Die zuständige Kammer sei noch mit der Prüfung der Zulassung beschäftigt, sagte ein Sprecher des Landgerichts München I nach der Verzögerungsrüge im Mai. Die Entscheidung solle in Kürze ergehen. In Haftsachen gilt ein Beschleunigungsgebot, das besagt, dass die Justiz alles tun muss, um das Hauptverfahren so schnell wie möglich zu beginnen. Wedel sitzt aber nicht in Untersuchungshaft.

Weitere Anschuldigungen gegen Wedel

Die Vorwürfe gegen ihn waren Anfang 2018 bekannt geworden. Damals beschuldigten drei Schauspielerinnen Wedel im „Zeit-Magazin“, sie in den 90er Jahren sexuell bedrängt zu haben. Der Fall wurde der bekannteste in der deutschen #MeToo-Debatte, die 2017 ins Rollen gekommen war. Unter dem Hashtag #MeToo posteten vor allem Frauen in sozialen Netzwerken millionenfach ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen. (mit dpa)

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