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Lokführer legen ab Mittwoch Arbeit nieder : Das sind die Folgen des Bahnstreiks für Berlin – von S-Bahn bis BVG

In Berlin wird der Streik der Lokführergewerkschaft GDL weitreichende Auswirkungen haben. Das Problem für Pendler: Auch S-Bahn und Regionalzüge sind betroffen.

Lokführer legen ab Mittwoch Arbeit nieder : Das sind die Folgen des Bahnstreiks für Berlin – von S-Bahn bis BVG

Ein Zug der S-Bahn-Ringbahn S42 steht am Bahnhof Südkreuz. Foto: picture alliance/dpa

Von Mittwochmorgen um 2 Uhr bis zum Freitag um 2 Uhr werden neben dem Personenverkehr auch der Regionalverkehr und die Berliner S-Bahn bestreikt. Volker Krombholz, Vorsitzender des GDL-Bezirks Nordost, wozu neben Berlin auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gehört, bestätigte den flächendeckenden Arbeitskampf. 

Zur kurzfristigen Ansage des Arbeitskampfes sagte Krombholz dem Tagesspiegel, bei Verkehren rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr «trifft man nie den richtigen Zeitpunkt». Die Ankündigung des Streiks komme spät, doch «es bleibt möglich umzusteigen», sagte der Berliner GDL-Chef.

Für Mittwoch und Donnerstag hat die Deutsche Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen. Priorität haben besonders stark genutzte Verbindungen zwischen Berlin und dem Rhein-Ruhr-Gebiet, zwischen Hamburg und Frankfurt sowie die Anbindung wichtiger Bahnhöfe und Flughäfen. Ziel sei ein zweistündliches Angebot mit besonders langen Zügen auf den Hauptachsen, kündigte der Staatskonzern an. Gegenüber den Fahrgästen wolle man sich kulant zeigen, die Fahrkarten länger gelten lassen oder erstatten.

Für den Regional- und S-Bahnverkehr soll es ebenfalls Ersatzfahrpläne geben. Es geht in den Metropolregionen und im ländlichen Raum darum, ein «Grundangebot für Schüler:innen, Berufspendler:innen sowie wichtige Zubringer zu Fernverkehrszügen oder Flughäfen beizubehalten», teilte die Bahn mit. Dabei werde die Anzahl der angebotenen Züge je nach Region «stark schwanken». Welche Züge verkehren und wo es zu Ausfällen kommt, werde im Verlauf des Dienstagnachmittags «schrittweise in die Fahrplanmedien und Informationskanäle eingespeist». 

Der Ersatzfahrplan für den Fernverkehr sei in der Fahrplanauskunft auf bahn.de und in der App DB Navigator abrufbar. Eine kostenlose Streikhotline hat die DB seit Dienstagnachmittag unter 08000/996633 geschaltet. Die Berliner S-Bahn kündigte an, auf sbahn.berlin über Ersatzfahrpläne zu informieren, sobald es dazu Informationen gebe. Eine genaue Uhrzeit wurde nicht bekanntgegeben, die Informationen sollen aber im Laufe des Dienstags kommen.

Ersatzfahrplan: S-Bahn will vor allem Außenbezirke versorgen

Offiziell sagt es keiner, aber irgendwie gehen schon alle davon aus, dass der Lokführer-Streik die Hauptstadtregion besonders stark treffen wird. Vorerst nur für zwei Tage — aber die haben es in sich. Vor allem, wenn die S-Bahn, wie angekündigt, auch vom Streik betroffen sein wird.

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Noch weiß niemand genau, wie weit das Angebot in Berlin und Brandenburg reduziert wird, bundesweit sollen ja nur ein Viertel aller Züge fahren. „Wir haben nur vage Informationen, wonach demnächst Sonderfahrpläne veröffentlicht werden sollen“, sagt Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb.

Er fordert, dass die S-Bahnen vor allem in den Außenbereichen und so weit stadteinwärts fahren, dass die Passagiere auf U-Bahn, Bus oder Straßenbahn umsteigen können. „Die S-Bahn aus Bernau sollte also wenigstens bis Gesundbrunnen fahren“, sagt er: „Eigentlich hätten die verantwortlichen PolitikerInnen in Berlin und Brandenburg für solche Situationen längst ein entsprechendes Konzept haben müssen.“

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Bei der Berliner S-Bahn will man allerdings die Prioritäten genauso setzen wie vom Fahrgastverband gefordert. „Die S-Bahn wird ein eingeschränktes Angebot fahren und Linien teilweise verkürzen“, sagte eine Bahnsprecherin dem Tagesspiegel: „Die Konzentration liegt auf Anbindung der Außenbezirke und des Umlands. Angestrebt wird ein 20-Minutentakt.“

Insider gehen aber davon aus, dass sich erst im Laufe des Mittwochs herausstellen wird, wie realistisch die Sonderfahrpläne sind. Unter anderem deshalb, weil niemand ganz genau weiß, wie viele Triebfahrzeugführer dem Streikaufruf folgen werden.

BVG: keine zusätzlichen Fahrten, allenfalls größere Züge

Zum Glück hat Berlin die BVG. Sie ist nicht direkt vom Streik betroffen, sagt ein Sprecher: „U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und Fähren werden also ohne Einschränkungen fahren. Allerdings müssen sich die Fahrgäste wegen des Streiks auf vollere Fahrzeuge einstellen.“

BVG-Vorstandsmitglied Rolf Erfurt kündigte an, dass das Unternehmen „das volle Fahrplanangebot auf die Straßen und Schienen bringen und — wo es machbar ist — die größtmöglichen Fahrzeuge einsetzen“ werde. Er sagte jedoch ebenfalls, dass eine „zusätzliche Verstärkung einzelner Linien mit mehr Fahrzeugen — auch aufgrund der sehr kurzen Vorwarnzeit — nicht möglich sei“. Zugleich ist klar: Der begrenzte Fuhrpark lässt es kaum zu, Bahnen kurzfristig mit zusätzlichen Wagen zu verlängern.

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Erfurt appellierte an alle Fahrgäste, besondere Rücksicht zu nehmen und im Zweifel etwas Geduld zu haben: „Unsere Kollegen geben alles, um Sie auch unter erschwerten Bedingungen gut und zuverlässig zum Ziel zu bringen.“

Das Thema Mindestabstand spielte in der Mitteilung der BVG keine Rolle. Klar dürfte aber sein, dass das Ansteckungsrisiko in volleren Verkehrsmitteln nicht kleiner wird. Das hätte die Gewerkschaft der Lokführer bedenken und den Streik mindestens 48 Stunden vorher ankündigen müssen, sagte Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband: „Das ist in Pandemie-Zeiten einfach unverantwortlich. Bei einer früheren Ankündigung hätte noch so mancher Fahrten vermeiden und beispielsweise mal wieder im Homeoffice arbeiten können.“

Bahn-Konkurrenten werden nicht bestreikt

Was dem Berliner die BVG ist, sind dem Brandenburger in Streikzeiten die privaten Eisenbahnunternehmen. Das größte von ihnen, die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg), teilte bereits mit, dass die GDL ausschließlich zu einem Streik bei der Deutschen Bahn aufgerufen habe. „Die Odeg ist nicht vom Streik betroffen“, sagte Sprecherin Dietmute Graf dem Tagesspiegel: „Allerdings ist noch nicht klar, ob zum Beispiel auch Fahrdienstleiter streiken oder die von uns genutzte Infrastruktur der Bahn durch sonstige Aktionen gefährdet wird. Dann könnte es zu Einschränkungen im Betriebsablauf kommen.“

Lokführer legen ab Mittwoch Arbeit nieder : Das sind die Folgen des Bahnstreiks für Berlin – von S-Bahn bis BVG

Einige Regionalzüge der Odeg durchqueren auch das Berliner Stadtgebiet — beim Lokführer-Streik eine Alternative zur S-Bahn.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Womit man auf jeden Fall rechnen müsse, seien sehr volle Züge und längere Haltezeiten vor allem in Ballungsgebieten, sagte Odeg-Geschäftsführer Roland Pauli. Viele Zugführer und Schaffner befürchten — auch nach entsprechenden Erfahrungen in den vergangenen Jahren -, dass noch mehr Berliner als bisher die Züge innerhalb der Hauptstadt als S-Bahn-Ersatz nutzen.

Die Odeg-Züge verkehren auf folgenden Strecken:

  • RE2: Wismar <> Berlin Hbf <> Cottbus Hbf
  • RE4: Stendal Hbf <> Rathenow <> Berlin <> Jüterbog
  • RE9: Rostock Hbf <> Stralsund Hbf <> Binz/Sassnitz
  • RE10: Rostock Hbf <> Stralsund Hbf <> Züssow
  • RB13: Rehna <> Schwerin <> Parchim
  • RB14: Hagenow Stadt <> Ludwigslust <> Parchim
  • RB19: Parchim <> Plau am See
  • RB33: Berlin-Wannsee <> Jüterbog
  • RB46: Cottbus Hbf <> Forst (Lausitz)
  • RB51: Brandenburg Hbf <> Rathenow
  • RB64: Hoyerswerda <> Niesky <> Görlitz
  • RB65: Cottbus Hbf <> Görlitz <> Zittau

Auch die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) ist nicht direkt vom Streik betroffen, sagte ein Sprecher. „Wir können allerdings auch nicht mehr Wagenzüge als sonst einsetzen, da wir nicht über größere Reserven verfügen. Allerdings fahren wir nur in ganz wenigen Bereichen parallel zur S-Bahn, sodass sich der Ansturm der Reisenden wahrscheinlich in Grenzen hält.“

Die NEB verkehrt auf folgenden Linien:

  • RB27: Berlin-Groß Schönebeck/Schmachtenhagen
  • RB35: Fürstenwalde (Spree) — Bad Saarow Klinikum
  • RB36: Königs Wusterhausen — Frankfurt (Oder)
  • RB54: Berlin — Löwenberg — Rheinsberg
  • RB60: Eberswalde — Frankfurt (Oder)
  • RB61: Angermünde — Schwedt
  • RB62: Angermünde — Prenzlau
  • RB63: Eberswalde — Joachimsthal — Templin Stadt

Ebenfalls nicht bestreikt wird die Hanseatische Eisenbahn GmbH, die auf den Regionalbahnlinien 73 und 74 zwischen Neustadt (Dosse), Kyritz, Pritzwalk und Meyenburg vor allem Berufstätige und Schüler befördert.

Berlin und Potsdam profitieren außerdem davon, dass die Deutsche Bahn im Fernverkehr auf besonders stark genutzten Verbindungen, etwa zwischen Berlin und der Rhein-Ruhr-Region, ein zweistündliches Angebot zuverlässig aufrechterhalten will. Priorität soll außerdem die Beibehaltung eines „Grundangebots für Schüler:innen, Berufspendler:innen sowie wichtige Zubringer zu Fernverkehrszügen oder Flughäfen“ haben. Nicht bestreikt wird zudem der Fernzuganbieter Flixtrain.

Ob es in der nächsten Woche zu weiteren Arbeitskämpfen kommt, hängt laut GDL-Nordost-Vorsitzendem Krombholz nun von der Bahn und dem Bahn-Eigentümer ab, also quasi der Bundesregierung. Die GDL beharre auf ihrer Forderung nach 3,2 Prozent höheren Einkommen in zwei Schritten und einer Corona-Prämie in Höhe von 600 Euro. (mit dpa)

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