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Nach „Ton Steine Scherben“-Frontsänger : Berlin benennt Kreuzberger Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz um

Der Heinrichplatz an der Oranienstraße heißt seit Sonntag Rio-Reiser-Platz. Zur Feier erschienen auch prominente Gäste. An der Umbenennung wurde zuvor Kritik laut.

Nach „Ton Steine Scherben“-Frontsänger : Berlin benennt Kreuzberger Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz um

Protest an der Umbenennung: Auf dem Schild im Hintergrund steht: „Die Umbenennung des Heinrichplatzes kostet 35.000 Euro“.

Der Musiker Rio Reiser („König von Deutschland“, „Alles Lüge“) hat nun einen nach ihm benannten Platz in Berlin. Der kleine Heinrichplatz im Stadtteil Kreuzberg wurde am Sonntag offiziell umbenannt. Reiser (1950-1996) wurde als Ralph Christian Möbius in Berlin geboren, sein Leben und seine Karriere waren über lange Jahre eng mit der Stadt und dem Szene-Kiez verbunden.

Zur Feier mit mehreren Tausend Menschen und Konzerten kam auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Sie war in den 1980ern einige Jahre Managerin der Politrockband Ton Steine Scherben („Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Keine Macht für niemand“), deren Sänger Reiser vor seiner Solokarriere war. Roth und Reiser bewohnten eine Zeit lang mit anderen Musikern auch eine Bauernhaus-WG im nordfriesischen Fresenhagen.

Für Roth ist die Umbenennung eine symbolische Rückkehr von Rio Reiser in einen Bezirk, in dem er jahrelang zu Hause war. Sie erinnerte auch an das Engagement des Sängers. „Rio war einer der ersten mutigen Künstler, der das Schwulsein in einer diskriminierenden und homophoben Geslleschaft thematisierte“, sagt sie. „Für Rio war das Private immer politisch“.

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Auch die verbliebenen Mitglieder von Ton Scheine Scherben sind am Sonntag zu sehen. Sie spielen ihrem verstorbenen Sänger zu Ehren, die Zuschauer:innen singen direkt mit. Bei Hits wie „Guten Morgen“ und
„Wir müssen hier raus“ sind sie textsicher und brüllen beim „Rauch-Haus-Song“: „Das ist unser Haus“.

Auch die Kreuzberger Band Il Civetto spielt ein kleines Konzert und singt ihren Song „Rio-Reiser-Platz“, mit dem der Platz schon ein Jahr vor seiner Umbenennung in die Popkultur einfloss.

Der Platz, der nun Reisers Namen trägt, liegt an der Oranienstraße mit vielen Kneipen, Bars und Clubs mitten in SO 36. So wird die Gegend von vielen immer noch genannt, die Bezeichnung ist aus dem alten Postzustellbereich Südost 36 hervorgegangen.

Widersprüche gegen Umbenennung wurden im Oktober zurückgewiesen

In Berlin gab es bereits seit längerem die Idee, Rio Reiser entsprechend zu würdigen. Die Pläne des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg waren im April 2021 im Amtsblatt veröffentlicht worden. Von Anwohnerseite gab es daraufhin vier Widersprüche. Diese wurden im Oktober als unzulässig zurückgewiesen.

Auch am Sonntag ist Protest sichtbar. An einem der neuen Schilder klebt ein Sticker mit der Aufschrift „Hohn Scheine Erben“ und an der Litfaßsäule in der Mitte des Platzes steht in dicken weißen Buchstaben „Heini bleibt“. Aus einem der anliegenden Wohnungen hält ein Mann ein Schild mit der Aufschrift: „Die Umbenennung des Heinrichplatzes kostet 35.000 Euro.“

Nach „Ton Steine Scherben“-Frontsänger : Berlin benennt Kreuzberger Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz um

Mehrere Tausend Menschen versammelten sich am Sonntag auf dem Platz in Kreuzberg.Foto: Marvin Wenzel

Die Entscheidung war umstritten, etwa weil die männerlastige Liste von Straßen und Plätzen eigentlich durch Frauennamen aufgelockert werden soll. Bisher vernachlässigte er dieses Ziel. Seit 2005 wurden insgesamt 28 Straßen und Plätze neu- oder umbenannt – nur gut die Hälfte davon nach Frauen. Aktuell beträgt der Frauenanteil bei Straßennamen in Kreuzberg nur knapp zehn Prozent. Der Bezirk begründete die Umbenennung des Heinrichplatzes damit, dass der 1996 verstorbene Musiker queer war.

Die auch bei vielen Berlin-Touristen beliebte Buslinie M29 hat die Wandlung in Kreuzberg direkt mitvollzogen. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ihre Haltestelle zeitgleich von Heinrichplatz in Rio-Reiser-Platz umbenannt. (mit dpa)

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