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Probeproduktion? Von wegen! : 121 Dönerspieße sichergestellt — wegen „streitiger Produktionsherkunft“

Die Spieße aus Hähnchenfleisch sollen nun einer „alternativen Verwertung außerhalb des Verzehrs für Menschen“ zugeführt werden. Eine Glosse.

Probeproduktion? Von wegen! : 121 Dönerspieße sichergestellt — wegen „streitiger Produktionsherkunft“

Macht schöner. Der Legende nach wurde der Döner in Berlin erfunden.Foto: IMAGO/Aviation-Stock

Berlin liegt in so wenigen Disziplinen an der Spitze, dass wir auf eine sehr stolz sein müssen: Wie ein richtiger Döner geht, das definiert die „Berliner Verkehrsauffassung“ seit 1991 bundesweit. Kein Wunder, dass alle Behörden an einem Strang ziehen, wenn es um die Dönerhoheit geht; sogar das Verwaltungsgericht macht mit, es würzt die Leibspeise mit sprödem Juristensprech. Diesmal hatte ein Bezirksamt 121 „nicht tiefgefrorene Dönerspieße streitiger Produktionsherkunft aus Hähnchenfleisch“ sichergestellt und deren „Inverkehrbringen als Lebensmittel“ untersagt.

Die Antwort auf die Warum-Frage führt allerdings weit über Berlin hinaus ins EU-Eingemachte, und sie erfordert Konzentration. Denn die Spieße wurden an einem Nebenstandort der betreffenden Firma gefunden, für den sie keine Produktionserlaubnis hatte. „Haben wir alle in der Zentrale gemacht!“, sagte der Chef, „die lagern hier nur.“ Aber das Bezirksamt antwortete: „Nö, glauben wir nicht.“ Denn es wurde dort durchaus produziert, angeblich nur versuchshalber.

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Damit war eine Wurzel europäischen Lebensmittelrechts angegraben, nämlich die „Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln in allen Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen“. Das Verwaltungsgericht schmetterte den Eilantrag des Produzenten also ab und gab ihm noch einen Trost mit auf den Weg: Er könne das Fleisch ja einer „alternativen Verwertung außerhalb des Verzehrs für Menschen“ zuführen. Riechen Hund oder Katze demnächst nach Döner, dann wissen wir, wie das gemeint war.

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