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Suche nach Ursache für massenhaftes Fischsterben : Forscher nehmen giftige Algenart in der Oder in den Blick – Woidke kritisiert Polen

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke geht indes davon aus, dass das Fischsterben in der Oder nicht nur eine natürliche Ursache hat.

Suche nach Ursache für massenhaftes Fischsterben : Forscher nehmen giftige Algenart in der Oder in den Blick – Woidke kritisiert Polen

Andreas Hein, Ranger bei der Naturwacht Brandenburg, holt im deutsch-polnischen Grenzfluss Westoder nahe dem Abzweig vom…Foto: dpa/Patrick Pleul

Auf der Suche nach der Ursache für das massenhafte Fischsterben in der Oder haben die Forscher weiter eine giftige Algenart im Blick, die sich im Fluss rasant entwickelt hat. Mittlerweile sei die Mikroalge mit dem Namen Prymnesium parvum identifiziert worden, sagte der Gewässerökologe Christian Wolter der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. „Die Art ist bekannt dafür, dass es gelegentlich zu Fischsterben kommt“.

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Unklar sei nach wie vor, ob das Toxin der Alge der Grund für das Fischsterben in der Oder sei. Ob sie in diesem Fall Giftstoffe produziert hat, müsse noch nachgewiesen werden, betonte der Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Er sprach von einer massiven Algenblüte mit 200 Mikrogramm pro Liter und mehr als 100.000 Zellen pro Milliliter Wasser. Für den Menschen sei das Toxin der Alge aber ungefährlich.

Eigentlich lebe die Algenart im Brackwasser, beschrieb Wolter. Das entsteht typischerweise an Flussmündungen, wo sich Süß- und Salzwasser vermischen. Doch in einem salzhaltigen Milieu könne sie gut wachsen, sagte der Gewässerökologe. Zudem brauche die Alge hohe PH-Werte. „Als Brackwasserart würde sie ansonsten in der Oder keine Massenentwicklung bilden“.

Für den Fachmann besteht damit ein klarer Zusammenhang zwischen einer Salzeinleitung und der Algenentwicklung. Er persönlich glaube nicht an einen Unfall, sagte Wolter. Zunächst hatten mehrere Medien über die Alge berichtet, darunter der rbb und t-online.

Brandenburg sucht weiter nach Ursache für Fischsterben

Die Brandenburger Landesregierung geht nach wie vor davon aus, dass das Fischsterben nicht nur natürliche Ursachen hat. „Das können wir getrost ausschließen, sonst würden sich die hohen PH-Werte und der erhöhte Sauerstoffgehalt und vieles andere mehr nicht erklären“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Mittwoch in Beelitz. Man wisse noch nicht, was passiert sei. „Wir wissen nur, es muss etwas passiert sein.“

Woidke erneuerte zugleich seine Kritik an der Kommunikation mit der polnischen Seite. „Es ist Tatsache, dass sechs Tage, bevor bei uns Fische gestorben sind, Fische in Polen gestorben sind — und wir wurden nicht informiert.“ Daher sei er „tief enttäuscht“ von der polnischen Regierung. Polen wäre auf Grund internationaler Verträge verpflichtet gewesen, frühzeitig zu informieren.

Bei der Suche nach der Ursache für das große Fischsterben holt sich Brandenburg dem Regierungschef zufolge auch Unterstützung von Wirtschaft und Forschungseinrichtungen, darunter vom Chemiekonzern BASF am Standort Schwarzheide, der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und Instituten, die sich mit Wassergüten beschäftigen. „Wir haben alles, was wir kennen in dem Land, auf diese Aufgabe konzentriert“, sagte Woidke. Das sei so wichtig, weil davon alle anderen Fragen abhingen — etwa die Zeit der Regeneration der Oder, die Fischerei und die Hilfseinsätze beim Einsammeln der Fische, um die Gesundheit der Menschen zu schützen.

Polens Staatsanwaltschaft vernimmt mehr als 220 Zeugen

Die polnische Staatsanwaltschaft hat im Rahmen ihrer Ermittlungen zu möglichen Ursachen bislang 228 Zeugen angehört. Die Ermittler hätten zusammen mit Zeugen zudem zwölf Ortsbesichtigungen an unterschiedlichen Flussabschnitten vorgenommen, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak am Mittwoch. „Aus den bisherigen Aktivitäten geht nicht hervor, was die Ursache für das massive Fischsterben war.“

Das Fischsterben an der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Bislang ist noch unklar, was die Umweltkatastrophe verursacht hat. Polens Regierung geht davon aus, dass eine große Menge Chemie-Abfälle in den Fluss eingeleitet wurde. Die polnische Polizei hat für Hinweise auf den Täter eine Belohnung von umgerechnet 210.000 Euro ausgesetzt. (dpa)

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