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Von Al Quds zu „Quarks“? : Antisemitismus-Vorwurf gegen WDR-Moderatorin

Ab November gehört Nemi El-Hassan zum Moderatoren-Team der WDR-Sendung „Quarks“. „Bild“ bringt sie in die Nähe von Islamisten und Antisemiten.

Von Al Quds zu „Quarks“? : Antisemitismus-Vorwurf gegen WDR-Moderatorin

Nemi El-Hassan ist Journalistin, Medienmacherin und Ärztin. Anfang November moderiert sie erstmals das WDR-Wissenschaftsformat…Foto: Tilman Schenk/WDR

Im Oktober bekommt die einst von Ranga Yogeshwar entwickelte WDR-Wissenschaftsmarke „Quarks“ Verstärkung durch zwei Ärztinnen und Journalistinnen: Am 21. Oktober hat Florence Randrianarisoa ihre erste Sendung im WDR-Fernsehen, Anfang November kommt Nemi El-Hassan dazu, ihr Thema lautet „Augen – Warum wir immer schlechter sehen!“. Zunächst jedoch muss sich El-Hassan mit anderen Themen beschäftigen. „Moderatorin nahm an Hass-Marsch teil. Islamismus-Skandal beim WDR“, heißt es bei „Bild“.

Mein Dschihad: Freundlich, arbeitsam, geduldig?

Das Boulevard-Medium wirft der 27-Jährigen Journalistin, Medienmacherin und Ärztin, die ihr Medizinstudium an der Berliner Charité absolviert hat, unter anderem die Relativierung islamistischer Gewalt vor. Die Mitgründerin des Youtube-Kanals „Datteltäter“ und Civis-Medienpreisträgerin für das funk-Format „Jäger und Sammler“ habe in einem Aufklärungs-Video der Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2015 die Bedeutung des Worts Dschihad verharmlost. „Die Terror-Bedeutung des Wortes sei nur ,eine Missinterpretation‘ von selbst ernannten ,Islam-Experten‘, um ,Vorurteile zu hegen‘“, wird sie zitiert. Mein Dschihad bedeute für sie, freundlich zu sein, zu arbeiten und geduldig zu sein. „Das ist eine absolute Relativierung“, hält Bild die Einschätzung des Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi entgegen.

In dem Video der Bundeszentrale für politische Bildung kann die Redaktion von «Quarks» keine Relativierung des Begriffs Dschihad erkennen. Die Aussagen seien aus dem Kontext gerissen worden, zudem liege der Vorgang sechs Jahre zurück.

Erklärungsbedarf gibt es aber auch aus einem anderen Grund. „Bild“ zeigt ein Foto vom Al-Quds-Marsch 2014 in Berlin, an dem sie teilgenommen hat. Al Quds ist der arabische Name für Jerusalem, der Al-Quds-Tag wurde 1979 vom damaligen iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini als jährliches Datum für Massendemonstrationen gegen Israel und die USA eingeführt. 2020 und 2021 wurde der Marsch abgesagt, 2019 skandierten die etwa 1000 Teilnehmer Parolen wie „Kindermörder Israel“.

Die Teilnahme als Fehler bezeichnet

Nemi El-Hassan selbst hat sich noch nicht öffentlich geäußert. Auf Nachfrage des Tagesspiegels teilte der Sender am Montagnachmittag mit, dass sie den WDR jetzt über ihre Teilnahme an der Al-Quds-Demonstration im Jahr 2014 informiert habe. In einem persönlichen Statement habe sie sich nachdrücklich distanziert und die Teilnahme als Fehler bezeichnet. «Wir sind mit Nemi El-Hassan weiter im Austausch», so der Sender.

Sicher ist: Für ein öffentlich-rechtliches Fernsehformat sollte Distanz an oberster Stelle stehen, nicht nur in Wissenschaftsfragen.

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