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Vor «woken Akitivisten» eingeknickt : Hoppla, die «Bild» ist zu links

«Bild»-Journalistin Basad kündigt öffentlich. Sie kritisiert den Umgang von CEO Döpfner mit einem Gastbeitrag zum Thema Sexualität

Vor "woken Akitivisten" eingeknickt : Hoppla, die "Bild" ist zu links

Mathias Döpfner wird von der «Bild»-Redakteurin Basad hart angegangen. Er sei vor «woken Aktivisten» eingeknickt.Foto: dpa

Auftritte, große Auftritte können sie im Hause Springer. Als CEO Mathias Döpfner seine Präsidentschaft im Bundesverband der Zeitungsverleger und Digital Publisher vorzeitig aufkündigte, da sprach er sinngemäß von den kolossalen Herausforderungen, die sich mit dem Springer-Kauf von «Politico» in den USA verbinden würden. Döpfner wird dringend in God’s own country gebraucht, da kann er sich nicht um die Sorgen vom Verlegerlein in Hinterpfuideifi kümmerrn. Logisch.

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Was bei Springer der Allgewaltige kann, das kann auch eine «Bild»-Redakteurin. Die Journalistin Judith Sevinç Basad hat ihre Kündigung bei der Boulevardzeitung öffentlich gemacht. In einem «Offenen Brief» an  Döpfner begründet sie ihren Schritt mit dem «Einknicken» Springers vor «woken Aktivisten». Gemeint ist Döpfners Umgang mit einem «Welt»-Gastbeitrag, in dem fünf Autorinnen und Autoren ARD und ZDF vorwerfen, das junge Publikum mit Falschinformationen zu Sexualität und Vielgeschlechtlichkeit zu indoktrinieren. Döpfner hatte den Gastbeitrag in einem eigenen Beitrag als «unterirdisch» und wissenschaftlich «bestenfalls grob einseitig» bezeichnet.

Relativiert Döpfner den Holocaust?

Basad fragt sich in ihrem Text, ob es Döpfner darum gehe, «die woken US-Redaktionen des Unternehmens nicht zu verärgern». Sie berichtet aus einer Debatte mit dem Konzernchef. Darin hatte Döpfner die «moralische Pflicht einer Redaktion» betont, «nicht jede Behauptung in einer Zeitung abzubilden, nur weil sie den Eindruck von Wissenschaftlichkeit erweckt». Als Beispiel soll er «Studien von Holocaustleugnern» genannt haben. Basad urteilt: «Wer aber solche Vergleiche zu Holocaustleugnern zieht, ist nicht weit davon entfernt, den Holocaust selbst zu relativieren.» Der Text liest sich wie eine Anleitung zur Selbstradikalisierung.

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Einmal in Rage wirft Basad «Bild» zudem vor, einen ihrer Artikel mit Zitaten des umstrittenen Kinderpsychiaters Alexander Korte, einem Mitautor des Gastbeitrags, «verhindert» zu haben. Sie sei aufgefordert worden, den Wissenschaftler-Aufruf zu kritisieren, andernfalls würde ihr Text nicht erscheinen.

Auf diesen Vorwurf reagiert «Bild»-Chefredakteur Johannes Boie mit einer Tonalität, die im Hause Springer unüblich ist. Er widerspricht Basad — und zwar mit Ironie. Auf Twitter schreibt er: «Auf Deinen Artikelvorschlag hatte ich ja ‘Do it!’ geantwortet – schade, dass der Text nicht hielt, was Dein Vorschlag versprochen hatte.» Boie leitet seinen Tweet der Bemerkung ein: «Stimmt, Judith, wir sind jetzt links! Döpfner rief eben nochmal an und hat mir das befohlen.» Basad wirft ihm daraufhin einen «herablassenden Ton» vor und schreibt, dass sie mit ihrer «aufrichtig gemeinten Kritik» auf «einen respektvolleren Umgang» gehofft habe.

Probleme mit Ironie

Mit Ironie ist das eben so eine Sache. Nicht jeder und jede kann damit umgehen, Basad kann es nicht. Damit passt sie allerdings sehr in die Springer-Reihen, wo Journalismus öfters mit Feldzügen verwechselt wird. Das war beim Boie-Vorgänger Julian Reichelt die Regel, bei Boie ist es die Ausnahme.

Schon stellt sich die Frage, ob Basad nicht eigentlich ein Bewerbungsschreiben an Reichelt adressiert hat, der gerade eine Plattform aufbaut. Wenn die mal startet, dann kann passieren, was in bald 70 Jahren «Bild» nicht einen einzigen Tag passiert ist: «Bild» wird dann links, allein deswegen, weil Reichelt & Co. das Boulevardblatt rechts überholen will.

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